Unsere Vision
Soteria-Einrichtungskonzept
A – Therapeutischer Teil
Geschichte der Soteria
Entwicklung der Soteria-Bewegung
Der Begriff „Soteria“
(griechisch: Hilfe, Heilung, Rettung, Erlösung) wurde von Loren R. Mosher in
den siebziger Jahren zur Bezeichnung eines neuen therapeutischen Ansatzes zur
Behandlung akuter schizophrener Psychosen gewählt. Mosher legte großen Wert
darauf, dass der therapeutische Rahmen den Beeinträchtigungen und Bedürfnissen
der Betroffenen entgegenkommt. Er realisierte daher ein überschaubares,
entspanntes und reizgeschütztes therapeutisches
Milieu mit wenigen ausgewählten Bezugspersonen, die Kranke während der
Krise menschlich begleiten und behutsam und kontinuierlich stützen.
Der Berner Sozialpsychiatrie-Professor
Luc Ciompi, der das Konzept in Kalifornien kennen lernte, eröffnete 1984 in
Bern die erste europäische Soteria. Seit Ende der achtziger/ Anfang der
neunziger Jahre gewann der Soteria-Gedanke zunehmend
Popularität und Akzeptanz.
So wurden
Behandlungseinrichtungen nach dem Soteria-Modell in
Stockholm und Kopenhagen eröffnet, zahlreiche Kliniken im In- und Ausland
bemühen sich seither, das Soteria-Konzepte, oder
zumindest Teile davon, in ihrer praktischen Arbeit zu realisieren.
Am 01.07.1997 eröffnete die
erste deutsche Soteria in Frankfurt/Oder, die trotz hochqualifizierter Arbeit
nach 2 Jahren wieder schließen musste, da eine Dauerfinanzierung nicht
gewährleistet war und unter anderem an der Weigerung der Krankenkassen, die "Soteria"
in den Bettenbedarfsplan aufzunehmen scheiterte. Auch bundesweit existieren
Initiativen zur Förderung des Soteria-Konzeptes.
Die zunehmende Popularität des Soteria-Gedankens steht im Einklang mit neueren
Entwicklungen der Sozialpsychiatrie:
Statt einer fest gefügten
„Versorgungsstruktur“, die psychisch kranke Menschen zum Gegenstand vorab
definierter „Therapieziele“ macht , entwickelt sich zunehmend ein „Trialog“ zwischen Psychoseerfahrenen, deren Freunden, den
Angehörigen und psychiatrischen „Profis“. Dabei wird immer deutlicher, dass
eine „Gesundung“ nicht in der möglichst schnellen Beseitigung psychotischer
Symptome, sondern in deren aktiver Bearbeitung, der Übersetzung von Wahn in
Sinn, zu suchen ist.
Ziel und Aufgabe der Soteria ist
die therapeutische Hilfe für Menschen mit akuten Psychosen. In ihrer
Aufgabenstellung entspricht sie einer psychiatrischen Akutstation. Sie ist Teil
eines komplexen Angebotssystems. Konstruktive Zusammenarbeit mit anderen psychiatrischen
Einrichtungen im klinisch-stationären, rehabilitativen und komplementären
Bereich sind selbstverständlich.
Die Stadt Frankfurt am Main
verfügt über ein umfassendes, gut differenziertes Angebotssystem für seelisch
kranke und behinderte Bürger.
Die Voraussetzungen für die
Zusammenarbeit mit der Soteria sind insofern sehr günstig, als bereits viele
Mitglieder des Trägervereins gemeindepsychiatrisch organisiert sind.
Konkrete Kooperationsaufgaben stellen sich in der Zusammenarbeit mit:
-
Psychiatrischen
Kliniken:
Nicht selten kommt es vor, dass
Psychoseerfahrene bei grundsätzlicher Einsicht in die Notwendigkeit
therapeutischer Hilfen die Bedingungen einer psychiatrischen Akutstation nicht
tolerieren können. Gerade wenn aus ärztlicher Sicht dringender
Behandlungsbedarf besteht, bietet die Soteria die Möglichkeit, vor Einleitung
gesetzlicher Unterbringungsmaßnahmen zu prüfen, inwieweit die Möglichkeit für
eine Soteria-Unterbringung gegeben ist. Die
Vermeidung von „Zwangsbehandlung“ ist eines der Hauptziele des Trägervereins!
Auch Psychoseerfahrene, die unter der Unruhe einer größeren Station leiden oder
den nachdrücklichen Wunsch nach inhaltlicher Auseinandersetzung mit ihrem
psychotischen Erleben äußern, können von dem Soteria-Konzept
profitieren.
Umgekehrt ist es möglich, dass
Psychoseerfahrene die eher „medizinische“ Angebotsstruktur einer Klinik der
Soteria vorziehen.
-
Niedergelassene
Ärzte und Fachärzte:
Das Engagement vieler
Psychoseerfahrener im Trägerverein zeigt ein ausgeprägtes aktives Interesse an
dieser besonderen Behandlungsform. Darüber hinaus ist es wichtig, dass
einweisende Ärzte über das neue therapeutische Konzept hinreichend informiert
sind, um ihre Patienten auf die Behandlungsalternative der Soteria hinweisen zu
können. Im Rahmen der ambulanten Nachbehandlung kommt niedergelassenen
Fachärzten und Psychotherapeuten eine besondere Bedeutung zu. Um hier die
optimalen Voraussetzungen zu schaffen, sollte außer einem ausführlichen
Entlassungsbericht ein persönliches Gespräch zwischen dem Betroffenen, seiner
Hauptbezugsperson in der Soteria und dem weiterbehandelnden Arzt geführt
werden.
-
Rehabilitationseinrichtungen:
Durch die Arbeit des
Trägervereins ist das Soteria-Konzept bei vielen
Mitarbeitern der Frankfurter Rehabilitationseinrichtungen im Wohn- und
Arbeitsbereich bekannt und akzeptiert. Die therapeutischen Grundvorstellungen
der Soteria stimmen mit sozialpsychiatrischen Zielsetzungen weitgehend überein,
so dass insbesondere in diesem Bereich eine gute Integration therapeutischer und
rehabilitativer Ansätze gegeben ist.
Durch regelmäßige
Fortbildungsveranstaltungen des Trägervereins wird auf ein gemeinsames
Psychoseverständnis hingearbeitet, was dazu beiträgt, „Brüche“ zwischen
verschiedenen Stadien des therapeutischen und rehabilitativen Prozesses zu
verhindern.
-
Behörden und
Gerichte:
Die subjektzentrierte
Grundausrichtung des Soteria-Konzeptes kann auch in schweren Krisensituationen
zu einer Entspannung beitragen und dadurch Zwangsmaßnahmen vermeiden helfen.
Insofern ist der Austausch und die Zusammenarbeit mit Sozialpsychiatrischen
Diensten, Ordnungsbehörden und Vormundschaftsgerichten wichtig.
Die kalifornische „Ur-Soteria“ war zunächst weniger durch theoretische
Konzepte als durch einen alternativen Handlungsansatz gekennzeichnet. Statt
Psychoseerfahrene zu „behandeln“ stand die “Begleitung“ im Vordergrund. Das
Schlagwort lautete „Dabeisein“.
In der Berner Soteria wurde
Ciompis Verständnis der „Affektlogik“ zum wichtigen theoretischen
Hintergrundverständnis der Arbeit.
In der Frankfurter Soteria
werden neben der absolut unerlässlichen therapeutischen Grundhaltung des
„Dabeiseins“ unterschiedliche therapeutische Haltungen und Konzepte integriert.
Wichtig dabei ist, dass die nachstehend aufgeführten therapeutischen Ansätze
nicht divergent nebeneinander stehen und nicht vorrangig im Sinne von
„therapeutischen Techniken“ zur Anwendung gelangen, sondern vielmehr den
individuellen Bedürfnissen der einzelnen Psychoseerfahrenen entsprechen, um
erkennbare „Selbstheilungstendenzen“ aufzugreifen und zu verstärken. Auf diese
Weise wird eine „Übersetzung von Wahn in Sinn“ unterstützt. Im Rahmen dieses
ganzheitlichen therapeutischen Konzeptes finden unterschiedliche
Behandlungsmethoden und Begleitungsansätze
Berücksichtigung:
-
Sozialpsychiatrie:
Psychotisches Erleben und
Verhalten ist immer in Bezug auf die Mitwelt zu bewerten. Die Methoden der
Sozialpsychiatrie, das Einbeziehen Angehöriger und wichtiger Bezugspersonen in
das therapeutische Konzept, die Berücksichtigung konkreter Lebensumstände und
Bedürfnisse im Rahmen der Therapie sind von zentraler Bedeutung. Hierzu gehört
auch, dass vor der Entlassung des Psychoseerfahrenen der zukünftige soziale
Lebensrahmen umfassend thematisiert und – so weit erforderlich – eine
integrative ambulante Fortsetzung der Therapie entworfen und eingeleitet wird.
-
Psychodynamische/
-analytische Ansätze:
Psychotisches Erleben und
Verhalten kann für Psychoseerfahrene und ihre Kommunikationspartner oft in
gleicher Weise irritierend und beängstigend oder bedrohlich sein. Ein auf
Verstehen dieser Zusammenhänge ausgerichteter Ansatz ist deshalb erforderlich,
um Symptome zu „integrieren“ und dadurch von ihrem Symptomcharaker
befreien zu können. Hier sind psychoanalytische Ansätze (wie sie insbesondere
von Benedetti im langjährigen Umgang mit psychotischen Menschen
herausgearbeitet wurden) von erheblicher Bedeutung.
-
Verhaltenstherapeutische
Ansätze:
Sind vor allem dort zweckmäßig
zu integrieren, wo Psychoseerfahrene reale Kompetenzdefizite bei sich erkennen
und überwinden möchten. Hier ist die gemeinsame Formulierung klarer
Zieldefinitionen, die Festlegung überschaubarer Schritte und die Entwicklung
gezielter Strategien zur Verwirklichung dieser Schritte bedeutsam. Kognitives
Training, ebenfalls ein wichtiger verhaltenstherapeutischer Ansatz, ist
insbesondere für diejenigen Betroffenen hilfreich, die unter Konzentrations-,
Merkfähigkeits- und Strukturierungsproblemen leiden.
-
Gestalttherapie:
Häufig artikulieren sich
Menschen im Rahmen einer akuten Psychose durch Handlungen, die für Mitmenschen
nur schwer nachvollziehbar sind. Die Integration dieser Handlungen in sinnvolle
und weiterführende Auseinandersetzung wird vor dem Hintergrund
gestalttherapeutischer Ansätze erleichtert.
-
Körpertherapien:
Akutes psychotisches Erleben ist
nicht nur durch verbale und Handlungsäußerungen charakterisiert, sondern häufig
auch durch vegetative und körperliche Äußerungen.
Bei starker Anspannung, die den
Betroffenen eine Vermittlung ihrer Gedanken nicht oder nur eingeschränkt
möglich macht, kann die Kontaktaufnahme auf Körperebene der zunächst einzige
Zugang sein. Hier können Entspannungsmassagen, aber auch Körperarbeit auf
bioenergetischer Grundlage, hilfreich sein.
-
Gestaltungstherapie:
Grenzerfahrungen in der
Psychose, wie irritierende, ängstigende oder beeindruckende Wahrnehmungen,
lassen sich oft in Sprache nicht oder nur unzureichend fassen und
kommunizierbar machen. Kreativer Ausdruck in bildnerischem, formendem,
klingendem Gestalten kann eine Mitteilung psychotischen Erlebens, aber auch
eine Befreiung und Distanzierung von Ängsten erleichtern. Darüber hinaus kann
schöpferische Tätigkeit das Selbstbewusstsein stärken und Ohnmachtsgefühle
überwinden helfen.
-
Familien/
Systemtherapie:
Die Einbeziehung von
Angehörigen, Freunden, Partnern in die Behandlung ist selbstverständlich.
In diesem Rahmen können gezielte
familien- oder paartherapeutische Maßnahmen erforderlich sein, um systemische
Gegebenheiten bearbeiten zu können. Gleichzeitig kommt systemischen
Überlegungen insofern eine übergeordnete Bedeutung im Rahmen des
therapeutischen Konzeptes zu, als auf ihrem Hintergrund das therapeutische
Handeln (im Rahmen von Supervision und Teambesprechungen) reflektiert und einer
Qualitätsprüfung unterzogen wird.
-
Pharmakotherapie:
Während das Soteria-Konzept
von Mosher einen Verzicht auf psychopharmakologische
Therapie beinhaltete, wurde in der
Berner Soteria eine Pharmakotherapie – wenn auch im Durchschnitt mit wesentlich
niedriger Dosierung als unter stationären Bedingungen – akzeptiert.
Angesichts der in den letzten Jahren neu eingeführten atypischen Neuroleptika,
die ein erheblich günstigeres Wirkungs/Nebenwirkungsprofil
bieten als die herkömmlichen Neuroleptika früherer Jahre, erscheint ein
programmatischer Verzicht auf Neuroleptika nicht mehr gerechtfertigt. Klienten
werden bei der Einnahme von Medikamenten unterstützend beraten, entscheiden
aber selber. Niemand wird gegen seinen Willen medikamentös behandelt.
- Alternative Ansätze, die bis heute in der
Psychiatrie und Psychotherapie wenig Berücksichtigung erfahren, werden
ebenfalls miteinbezogen, sofern Psychoseerfahrene dies als Hilfe bei ihrer
Auseinandersetzung mit psychotischem Erleben betrachten. Hier sind zum Beispiel
seelsorgerliche, alternativmedizinische und parapsychologische
Erklärungskonzepte zu nennen.
Realisiert
werden soll das Behandlungskonzept der Soteria im Rahmen einer intensiv
therapeutisch betreuten Wohngemeinschaft. Die Einrichtung soll sich in einem
wohnlich eingerichteten Haus innerhalb der Stadt Frankfurt befinden und über
zehn Behandlungsplätze verfügen. Sämtliche hauswirtschaftlichen Tätigkeiten
sollen von Patienten und Personal erledigt werden, wobei dem aktuellen
Beeinträchtigungsbild der Psychoseerfahrenen selbstverständlich Rechnung
getragen wird.
Insbesondere während akuter
psychotischer Krisen haben die Patienten die Möglichkeit, sich in ein „weiches
Zimmer“, einen reizarmen und stillen Raum, zurückzuziehen. Je nach Bedürfnis
können sie dort allein oder mit Hilfe einer Bezugsperson aus dem Kreis der
therapeutischen Mitarbeiter zur Ruhe kommen.
Im therapeutischen Rahmen wird
eine größtmögliche „Normalität“ angestrebt. Individuelle Interessen, das
Mitbringen eigener Gegenstände, das Betreiben von Hobbys werden ausdrücklich
gefördert, sofern hierdurch die Interessen Dritter nicht unzumutbar
beeinträchtigt werden. Persönliche Vorlieben und Eigenheiten werden im
möglichen Rahmen toleriert.
Nicht zugelassen ist das
Mitführen oder der Konsum illegaler Drogen. Auch regelmäßiger oder exzessiver
Alkoholabusus können aus milieutherapeutischen Gründen nicht akzeptiert werden.
Die therapeutische Beziehungen
sind von Akzeptanz, Respekt, Wärme und Wertschätzung gekennzeichnet. Durch
regelmäßige Supervision und Teamgespräche wird sicher gestellt, dass
Mitarbeiter und Nutzer der Therapieeinrichtung ihre Empfindungen und Gefühle reflektieren.
Bei einem grundsätzlich partnerschaftlichen, von Wertschätzung und emotionaler
Zuwendung geprägten Klima ist dennoch die Einhaltung notwendiger
therapeutischer Distanz zu fordern. Exklusiv-partnerschaftliche oder intime
Beziehungen zwischen Patienten und Mitarbeitern sind ausgeschlossen.
Auch intime Beziehungen zwischen
Menschen, deren Realitätsbezug durch psychotische Denk- und Erlebnisinhalte erheblich mitgeprägt ist,
sind reflektierend zu erhellen. Sofern die Interessen eines oder beider Beteiligter
nicht anders gewahrt werden können, kann eine Trennung durch Entlassung
erforderlich werden, wobei allerdings nach Möglichkeit eine ambulante
Weiterbehandlung eine Weiterführung der Therapie gewährleisten sollte.
Hartnäckige fremdaggressive
Verhaltensweisen können im offenen Rahmen der Soteria ebenfalls nicht toleriert
werden. Aggressionen im Vorfeld der Aufnahme stellen allerdings keinen
unbedingten Ausschlussgrund dar.
Wesentlich für das
Anforderungsprofil der Mitarbeiter sind Toleranz, Einfühlungsvermögen,
Offenheit für psychotische Lebensäußerungen, Bereitschaft zur
Selbstrelativierung, psychosoziale Alltagskompetenz und die Bereitschaft zu
lernen. Um die notwendige Professionalität zu gewährleisten, müssen rund um die
Uhr Mitarbeiter mit einer abgeschlossenen Ausbildung im
psychiatrie-pflegerischen oder sozialarbeiterischen Bereich und entsprechender
Berufserfahrung zur Verfügung stehen. Fachärztliche Bereitschaft ist ebenfalls
rund um die Uhr vorzuhalten. In Moshers Soteria hat es sich als vorteilhaft
erwiesen, neben Mitarbeitern mit einer spezifischen beruflichen Qualifikation
auch psychiatrisch nicht geschultes Personal zu beteiligen, sofern die
erforderlichen menschlichen Voraussetzungen, eine gefestigte Persönlichkeit mit
ausreichender Lebenserfahrung und Lernbereitschaft vorliegen. Durch Einbezug
psychiatrischer „Laien“ in das therapeutische Team wird den „Profis“ die
kritische Reflexion sozialisationsbedingter „Vorurteile“ ermöglicht.
Angesichts der Komplexität des
therapeutischen Konzepts ist regelmäßige Supervision für alle beteiligten
Mitarbeiter absolut unverzichtbar. Darüber hinaus werden regelmäßige
Fortbildungsveranstaltungen, die vom Trägerverein organisiert werden,
angeboten. Dabei legt der Trägerverein Wert darauf, dass zu diesen
Veranstaltungen auch Psychoseerfahrene und deren Angehörige sowie Mitarbeiter
kooperierender Einrichtungen eingeladen werden, um so schrittweise ein
gemeinsames therapeutisches Verständnis zu entwickeln.
Der Kontakt Psychoseerfahrener
zur Soteria kann durch Kliniken, niedergelassene Ärzte, Eigeninitiative,
sozialpsychiatrische Kontakt- und Beratungsstellen,
Rehabilitationseinrichtungen oder durch behördliche Vermittlung zustande
kommen.
Um Ängste und Vorurteile abbauen
zu können, bietet die Soteria Hilfe suchenden Patienten im Vorfeld
Informationen über das Behandlungskonzept und klärende Gespräche an. In
Einzelfällen und nach Klärung der Kostenübernahme sind auch aktive aufsuchende
Angebote möglich, insbesondere wenn es darum geht, ansonsten erforderliche
gesetzliche Unterbringungsmaßnahmen zu verhindern.
Zur Aufnahme in der Soteria ist
die Unterzeichnung eines Behandlungsvertrages erforderlich. Sofern Klienten in
eindeutiger Weise Ihren Wunsch nach einem Aufenthalt in der Soteria erkennen
lassen, jedoch keinen Behandlungsvertrag unterschreiben, ist mit der
zuständigen Krankenkasse bzw. mit einem ggf. vorhandenen Betreuer die Klärung
der Kostenübernahme zu regeln. Die Aufnahme wird für die Nutzer so
niedrigschwellig wie möglich gestaltet, um einen angstfreien Therapiebeginn zu
ermöglichen.
Während der akuten Psychose sind
vorrangige Therapieziele die Herstellung von Vertrauen, die Vermittlung von
Geborgenheit und personaler Beziehung. Durch die reizarme Umgebung des „weichen Zimmers“ wird eine
Distanzierung von Auseinandersetzungen und Streitigkeiten, wie sie im Rahmen
akuter Psychosen mit Bezugspersonen und Angehörigen oft auftreten, begünstigt.
Medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten werden besprochen und den Bedürfnissen
der Patienten entsprechend einbezogen.
Sofern zwischenmenschliche
Konflikte im Rahmen der psychotischen Symptome eine wesentliche Rolle spielen,
wird bereits zu Beginn der Therapie auf
eine gemeinsame Klärung unter Einbezug von Angehörigen, Freunden, ggf. auch
Arbeitgebern oder Lehrern etc. Wert gelegt. Während der gesamten Therapie
werden alle vorhandenen Ressourcen mitgenutzt.
Im Verlauf der weiteren
Behandlung besteht die Möglichkeit, in konstruktive Auseinandersetzung mit den
Inhalten der Psychose zu treten. Dabei werden alle oben genannten
therapeutischen Ansätze, je nach Bedürfnis des Einzelnen, berücksichtigt.
Selbstverständlich wird im Rahmen des Therapiekonzepts auch toleriert, wenn Psychoseerfahrene
sich zunächst lediglich von ihrer Symptomatik distanzieren wollen und eine
inhaltliche Auseinandersetzung meiden.
Durch schrittweise Übernahme von
Aufgaben im Bereich der gemeinsamen Haushaltsführung wird so früh wie möglich
eine Hinführung zur gemeinsamen Realität angestrebt. Freizeitplanung und –gestaltung lässt
sowohl individuellen Bedürfnissen als auch gemeinsamen Unternehmungen Raum.
Bei ausreichender Stabilisierung
erfolgt eine schrittweise Wiedereingliederung in die frühere psychosoziale
Alltagsrealität. Eine angemessene Entlassungsvorbereitung berücksichtigt
u.a. Arbeits- oder Werkstattplatz,
Wohnung, Wohngemeinschaft oder Reha-Einrichtung, auch für den Fall, dass vor
der Aufnahme keine tragfähige Alltagsstruktur existierte. Dabei wird besonderer
Wert darauf gelegt, einen gleitenden Übergang von der Soteria in das
anschließende Lebensumfeld zu vollziehen. Hier soll eine Kontinuität der
Sinnperspektive ermöglicht werden.
Auch nach Beendigung der
„stationären“ Behandlung in der Soteria bleiben die gewachsenen Beziehungen für
die Betroffenen verfügbar. Vergleichbar der ambulanten Nachbehandlung am PKH
können ehemalige Nutzer der Soteria in Krisensituationen auf ihre Betreuer
zurückgreifen. Die gemeinsamen Erlebnisse und die gewonnen Erfahrungen können
helfen, das erneute Überwältigtwerden von psychotischen Erfahrungen abzuwenden
bzw. diese Erfahrungen für sich sinnvoll zu integrieren.